Andere Medien über NoNo

Die an.schläge – das feministische Magazin aus Wien hat unter dem Titel „Neue Bilderbuchfamilien“ in ihrem Oktoberheft 2010 ein Verlagsportrait veröffentlicht (S. 36/37).

„Wir verkehren nicht die Realität“: Interview in der taz.die tageszeitung vom 26.12.2012 mit Ben Böttger vom NoNo Verlag und Tanja Abou, Autorin von Raumschiff Cosinus.

Bücher gegen Normen: Interview auf migrazine.at.

Bücher gegen Normen: Verlagsportrait in der an.schläge 06/2013.

Sprache

Wir richten uns mit unseren Büchern an ein breites und vielfältiges Publikum. Wir wollen vermeiden, dass unsere Bücher durch eine Szene- oder akademische Sprache nur bestimmten Kreisen verständlich sind. Deswegen bemühen wir uns, eine allgemeinverständliche Sprache zu verwenden. Gleichzeitig wollen wir sprachliche Diskriminierungen, die in der Alltagssprache anzutreffen sind, weitgehend vermeiden. In dem Bemühen, diese beiden Ansprüche zu verbinden, sind wir offen für Experimente und Ideen und werden verschiedene Wege ausprobieren. Wir begreifen dies als einen offenen Prozess und hoffen, dass sich viele daran beteiligen.

Auf dieser Homepage benutzen wir häufig die folgende Schreibweise mit Unterstrich: Autor_innen. >> Erklärung auf Wikipedia

Nichtnormatives Konzept – Erklärung v. Rita Macedo und Ben Böttger

Erklärung von Rita Macedo und Ben Böttger zum nichtnormativen Kinderbuchkonzept und seiner Umsetzung in dem Kinderbuch Unsa Haus von 2008:

Unser hauptsächlicher Antrieb, ein Konzept für nichtnormative antidiskriminierende Kinderliteratur zu entwickeln, war die Wahrnehmung, dass die meisten Kinderbücher ihre Geschichten in einem Setting ansiedeln, das sehr eingeschränkte, traditionelle, rigide Familienstrukturen und Geschlechterrollen reproduziert.

Wir stellen fest, dass in den meisten Kinderbüchern Eltern als heterosexuell und dominanten Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit entsprechend dargestellt werden. Sie sind darüber hinaus oft durchgängig liebevolle und fürsorgliche, harmonische, verständnisvolle und vernünftige Ehepaare, was unserer Ansicht nach sehr oft nicht der Realität von Kindern entspricht. Diese Art der Darstellung entwirft ein Ideal von einer „normalen“ Familie und grenzt diejenigen aus, deren Familien diesem Ideal nicht entsprechen. Dies hat zur Folge, dass Kinder sich als Außenseiter fühlen, allein weil ihre Familien von dieser vorgefertigten etablierten (und idealisierten) Norm abweichen. Sie fühlen sich als Ausnahme, obwohl in der Realität dieses normative Ideal der sprichwörtlichen „Bilderbuchfamilie“ die Ausnahme darstellt.

Diese Feststellung hat uns dazu gebracht, unser Konzept für nichtnormative Kinderliteratur zu entwickeln. Dabei wollen wir nicht nur Themen rund um Familienstrukturen aufgreifen, sondern auch andere Arten von Diskriminierung einbeziehen (z.B. auf der Grundlage von Geschlecht, Migrationshintergrund, sexueller Orientierung…). Dies ist unserer Meinung nach notwendig, da es nicht möglich ist, Mechanismen sozialer Ausgrenzung zu bekämpfen, indem nur ein einziges Diskriminierungsmerkmal in den Blick genommen wird, während andere ignoriert werden.

Unserem Konzept zufolge sollen Geschichten für Kinder sich nicht auf die mutmaßlichen Abweichungen von normativen Idealen konzentrieren. Indem – häufig in gut gemeinter Absicht – die vorgebliche „Andersartigkeit“ von nicht der Norm entsprechenden Eigenschaften oder Lebensentwürfen in den Mittelpunkt gestellt wird, wird die Norm selbst zunächst bestätigt. Selbst wenn in solchen Büchern anschließend vermittelt wird, dass diese „Anderen“ „trotzdem“ „ganz normale Menschen“ seien, ist im Grunde nochmals bestätigt worden, dass „normale“ Menschen aber ganz anders leben als die, um die es in der jeweiligen Geschichte geht. Um Kindern diese Aufteilung in „Normale“ und „Abweichende“ nicht erneut vorzuexerzieren und damit als Sichtweise zu verfestigen, sollten Geschichten für Kinder unserer Meinung nach ein breites Spektrum an Identitäten, Lebensentwürfen, Hintergründen und Orientierungen als Normalität präsentieren. Dies geschieht, indem das Setting, in dem Geschichten angesiedelt werden, eine große Bandbreite an Optionen als Hintergrundnormalität enthält. Die verschiedenen Optionen werden nicht hierarchisiert, sondern sind alle gleichermaßen „Normalität“.

Unser Buch soll sich nicht um anderer Leute Fehler in der Darstellung von Realität drehen. Im Gegensatz dazu wollen wir die entsprechenden Thematiken aus einem Minderheiten-/exotischen Status herauslösen.

Unser Anliegen ist es, ausgrenzenden Mechanismen in der gegenwärtigen Gesellschaft entgegen zu wirken, indem wir eine nahezu utopische Akzeptanz so genannter „abweichender“ Identitäten und Lebensentwürfe vorweg nehmen. Wir hoffen, Kinder ermutigen zu können, Umgebungen zu finden, in denen sie so sein können, wie sie sind, anstatt versuchen zu müssen, sich auf eine Weise anzupassen, die ihrem Selbst widerspricht.

Wir möchten eine Freiheit im Denken anregen, ohne moralische Einschränkungen, um die vorgegebenen Alternativen zu durchbrechen und verschiedene Werte und Optionen nicht zu hierarchisieren. Dass verschiedene Werte und Optionen im allgemeinen hierarchisch strukturiert sind, liegt an einer Bestimmung des „Normalen“ und „des Anderen“. Wir wollen diese Hierarchisierung, die zu sozialer Ausgrenzung führt, überwinden, indem wir „das Anderen“ zum Bestandteil von Normalität machen und damit diese Kategorien auflösen. Unser Ziel ist es also, „Normalität“ als Konzept gänzlich zu dekonstruieren und abschaffen, weil die Vorstellung von „Normalität“ an sich nicht ohne Ideen von „wir“ (das normative Kollektiv) und „die anderen“ existieren kann.

Erklärung von Rita Macedo und Ben Böttger zu Unsa Haus ->

Downloadseite der ersten Auflage von Unsa Haus in verscheidenen Sprachen ->

Das nichtnormative Konzept

Das nichtnormative Konzept wurde 2008 von Rita Macedo und Ben Böttger entwickelt und anschließend erstmalig in dem Kinderbuch Unsa Haus umgesetzt. Aus diesem Buchprojekt ging dann der NoNo Verlag hervor.

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die meisten deutschsprachigen Kinderbücher ihre Geschichten in einem Setting ansiedeln, das nur sehr eingeschränkte Familiensituationen und Geschlechterrollen zeigt. In der Regel wird die harmonische Beziehung eines heterosexuellen (Ehe)Paars mit ein oder zwei Kindern und traditionellen Rollenverteilungen dargestellt. Zudem gehören die dargestellten Figuren meist dem weißen deutschen Mittelstand an, haben keinen Migrationshintergrund und entsprechen körperlichen Normen. Wenn überhaupt, dann werden andere Lebensentwürfe, -situationen, und Identitäten meist in einer Weise dargestellt, die sich auf ihre vorgebliche „Andersartigkeit“ konzentriert.

Diese Art der Darstellungen grenzt all diejenigen aus, deren Lebenssituationen nicht dem vorherrschenden Ideal einer solchen „Bilderbuchfamilie“ entsprechen. Dahingegen ist die Idee des nichtnormativen Konzepts, in Geschichten für Kinder (und anderen Büchern) eine möglichst große Bandbreite an Optionen in Bezug auf Identitäten, Lebensentwürfe, Hintergründe und Orientierungen als gleichwertige Hintergrundnormalität abzubilden. Dabei ist es notwendig, verschiedene Arten der Diskriminierung miteinzubeziehen, da diese nicht unabhängig voneinander verstanden und bekämpft werden können. >> mehr zum Konzept

Der Verlag

Der NoNo Verlag ist ein Verlag für nichtnormative Kinderbücher, Sachbücher und Ratgeber. Er wurde 2009/2010 von Ina Schneider und Ben Böttger gegründet. Es folgt die damalige Selbstdarstellung:

Wir wollen mit unserem Programm dazu beitragen, dass ansonsten wenig beachtete Erfahrungen und Lebensentwürfe sich in der deutschsprachigen Literatur wiederfinden. Unser Themenschwerpunkt liegt dabei auf Geschlechtsidentitäten, zum Beispiel in den Bereichen gender_queer, trans* und inter*. Das heißt, unsere Bücher handeln von Menschen, deren geschlechtliche Identität nicht dem stereotypen Muster von Männern und Frauen entspricht. In den Kinderbüchern liegt ein weiterer Fokus darauf, verschiedene Modelle des Zusammenlebens in der Familie und anderen Zusammenhängen einzubeziehen. Dabei legen wir Wert darauf, dass die Texte und Illustrationen möglichst auch Normierungen in anderen Aspekten vermeiden und respektvolle zwischenmenschliche Beziehungen unterstützen/bestärken.

Der NoNo Verlag ist aus einem Buchprojekt von Rita Macedo und Ben Böttger hervorgegangen, in dem sie ein Konzept für nichtnormative Kinderliteratur entwickelt und das nichtnormative Kinderbuch Unsa Haus entwickelt haben. Das Buch steht in der ersten Fassung in verschiedenen Sprachen zum kostenlosen Download bereit. Mittlerweile ist die dritte überarbeitete Auflage des Buches als Hardcover bei der Edition Assemblage erhältlich.

Der NoNo Verlag hat darüber hinaus einen Fotokalender, ein weiteres Kinderbuch und Sachbücher herausgebracht. Nachdem Ina Schneider bereits vor einigen Jahren ausgestiegen war, hat Ben Böttger die verlegerische Tätigkeit des NoNo Verlags Ende 2013 eingestellt. Der NoNo Verlag hat 2015 die erste Berliner Buchmesse Queeres Verlegen mit begründet und sich auch 2016 daran beteiligt. Im Mai 2017 wurden dann die im NoNo Verlag verlegten Titel an die Edition Assemblage abgegeben.

NoNo Verlag

Der NoNo Verlag hat im Mai 2017 nach acht Jahren seine Tätigkeit eingestellt. Die Bücher werden seitdem von der Edition Assemblage weiter vertrieben. Sie können online bei der Edition Assemblage und im Buchhandel bestellt werden.

Ihr könnt auch per Mail bestellen unter shop@edition-assemblage.de.

Hier finden sich die Informationen für den Buchhandel.

Diese Seite dient lediglich noch der Dokumentation.

Durch den Umzug haben die Bücher alle neue ISBN bekommen. Lasst euch davon nicht verwirren.