Unsa Haus – Erklärung v. Rita Macedo und Ben Böttger

Erklärung von Rita Macedo und Ben Böttger zum nichtnormativen Kinderbuch Unsa Haus von 2008:

Titel der ersten Auflage von 2009

Die Idee für dieses Buch entstand in einer Reihe von Gesprächen, während derer uns auffiel, wie ausschließend und normativ Kinderliteratur üblicherweise ist: Die meisten Kinderbücher reproduzieren normative Vorstellungen und stereotype Vorannahmen, anstatt sie kritisch zu hinterfragen. Diese Vorannahmen sind in unserer Gesellschaft überall präsent und beeinflussen/beeinträchtigen uns alle ab der frühesten Kindheit. Um zu einer offeneren Gesellschaft beizutragen, sollten wir alle mit diesen Vorannahmen brechen, indem wir sie gemeinsam reflektieren und unseren Horizont erweitern.

Unserer Meinung nach sollten Themen nicht von Kindern ferngehalten werden, nur weil sie angeblich „zu jung“ sind, um mit Situationen, Familienmodellen, Genderkonzepten, sexuellen Orientierungen, etc. in Berührung zu kommen, die konventionellerweise als „unüblich“ oder „außerhalb der Norm liegend“ betrachtet werden.

Dass solche Situationen und Lebensmodelle in unserer Gesellschaft existieren, macht es nicht nur erforderlich, diese als gleichwertig zu begreifen und zu beschreiben, sondern auch, sich für weniger diskriminierende Einstellungen einzusetzen. Das bedeutet, ihnen mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu begegnen, wie den konventionalisierten, angenommen „üblichen“ Modellen.

Deshalb haben wir beschlossen, in unseren Geschichten nicht die „Besonderheit“ von marginalisierten Identitäten, Lebensmodellen, etc. herauszustellen, wie es häufig geschieht, wenn ein antidiskriminierender Ansatz verfolgt wird. Sie werden vielmehr als selbstverständlicher Bestandteil der gemeinsamen Realität betrachtet. Sie sind Teil des alltäglichen Lebens und werden folglich auch als solche dargestellt.

Vor diesem Hintergrund merken wir an, dass dieses Buch nicht einfach nur zum Lesen da ist. Vielmehr hoffen wir, dass es Fragen aufwirft, Erklärungen erforderlich macht und Diskussionen anregt – mit und unter Kindern.