Glossar: Normierung

Normierung heißt, dass bestimmte Eigenschaften als „normal“ angesehen werden. In der Sprache und Kunst drückt sich das z.B. darin aus, dass Abweichungen von dem, was als normal angesehen wird, benannt werden, während die „normalen“ Eigenschaften stillschweigend vorausgesetzt werden. Dadurch werden die Normen immer wieder bestätigt. Z.B. wird nicht gesagt: „Der heterosexuelle Bürgermeister“, aber „der schwule Bürgermeister“, ebenso wird gesagt: „Das dicke Kind“ oder „das dürre Kind“, wohingegen es für einen Körperbau dazwischen nicht einmal ein Wort gibt, weil der als selbstverständliche Normalität angesehen wird. Die meisten Darstellungen von Menschen bilden Eigenschaften ab, die der aktuellen gesellschaftlichen Norm entsprechen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird die Abweichung in der Regel thematisiert. So wird durch die Abbildung keine Aufnahme in die Normalität erzeugt, sondern im Gegenteil die Bestätigung der „Andersheit“. Somit kann sowohl das Ignorieren als auch das Abbilden von Eigenschaften zum Normierungsprozess beitragen. Normierungen finden bezogen auf verschiedene Eigenschaften von Menschen statt, z.B. Körper, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Fähigkeiten. Normierungen sind nicht „neutral“, sondern bedeuten eine Hierarchisierung, in der die „Abweichungen“ von der Norm z.B. als nicht so wichtig betrachtet, ignoriert, abgewertet, bestraft, tabuisiert werden.