NoNo Verlag

Der NoNo Verlag hat im Mai 2017 nach acht Jahren seine Tätigkeit eingestellt. Die Bücher werden seitdem von der Edition Assemblage weiter vertrieben. Sie können online bei der Edition Assemblage und im Buchhandel bestellt werden.

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Diese Seite dient lediglich noch der Dokumentation.

Durch den Umzug haben die Bücher alle neue ISBN bekommen. Lasst euch davon nicht verwirren.

Glossar: Normierung

Normierung heißt, dass bestimmte Eigenschaften als „normal“ angesehen werden. In der Sprache und Kunst drückt sich das z.B. darin aus, dass Abweichungen von dem, was als normal angesehen wird, benannt werden, während die „normalen“ Eigenschaften stillschweigend vorausgesetzt werden. Dadurch werden die Normen immer wieder bestätigt. Z.B. wird nicht gesagt: „Der heterosexuelle Bürgermeister“, aber „der schwule Bürgermeister“, ebenso wird gesagt: „Das dicke Kind“ oder „das dürre Kind“, wohingegen es für einen Körperbau dazwischen nicht einmal ein Wort gibt, weil der als selbstverständliche Normalität angesehen wird. Die meisten Darstellungen von Menschen bilden Eigenschaften ab, die der aktuellen gesellschaftlichen Norm entsprechen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird die Abweichung in der Regel thematisiert. So wird durch die Abbildung keine Aufnahme in die Normalität erzeugt, sondern im Gegenteil die Bestätigung der „Andersheit“. Somit kann sowohl das Ignorieren als auch das Abbilden von Eigenschaften zum Normierungsprozess beitragen. Normierungen finden bezogen auf verschiedene Eigenschaften von Menschen statt, z.B. Körper, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Fähigkeiten. Normierungen sind nicht „neutral“, sondern bedeuten eine Hierarchisierung, in der die „Abweichungen“ von der Norm z.B. als nicht so wichtig betrachtet, ignoriert, abgewertet, bestraft, tabuisiert werden.

Glossar: Inter*

Mit Inter* meinen wir intergeschlechtliche bzw. intersexuelle Menschen (es handelt sich dabei nicht um eine sexuelle Orientierung, sondern geht um geschlechtliche Merkmale), Hermaphroditen, Zwitter und Herms. Das Sternchen (*) steht für die genannten und weitere mögliche Selbstbezeichnungen.

Der Begriff inter* wird verwendet, wenn ein Mensch genetisch (aufgrund seiner Geschlechtschromosomen) und/oder anatomisch (aufgrund seiner Geschlechtsorgane) und hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig den Normen, die für das weibliche oder männliche Geschlecht festgelegt wurden, entspricht.

Inter* kann eine Geschlechtsidentität sein, muss aber nicht. Inter* können auch eine männliche, weibliche oder trans* Identität haben.

Glossar: Trans*

Das Sternchen ist ein Platzhalter für beliebige Endungen. So steht Trans* gleichzeitig für transgeschlechtlich, transgender, Transmann, Transfrau, usw. Mit transgeschlechtlich bezeichnen wir Menschen, die in einem anderen Geschlecht leben, als ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Wir halten diesen Begriff für zutreffender als transsexuell, da es um die geschlechtliche Identität und nicht eine sexuelle Orientierung geht. Transgender fassen wir als einen etwas weiteren Begriff auf. Wir fassen darunter sowohl transgeschlechtliche Menschen, als auch Menschen, die sich gar nicht einer Geschlechterkategorie zuordnen, die Geschlechter wechseln oder sich mehreren Geschlechtern zugehörig fühlen. Eine strikte Trennung der beiden Begriffe ist unserer Ansicht nach nicht möglich. Wichtig ist, dass unter den Begriff Trans* somit sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Selbstdefinitionen und Biografien fallen, die nicht unbedingt dieselben Erfahrungen teilen oder dieselben Interessen verfolgen.

Glossar: nichtnormativ

Nichtnormativ heißt, dass Menschen in ihrer Vielfalt dargestellt und angesprochen werden, unabhängig davon, inwiefern sie gesellschaftlichen Normen (beispielsweise bezogen auf Sexualität, Hautfarbe, Fähigkeiten) entsprechen. Da es auf dem Buchmarkt ein vielfältiges Angebot für Menschen gibt, die nicht „aus der Norm fallen“, heißt nichtnormativ in diesem Kontext auch, gerade diejenigen Bevölkerungsgruppen darzustellen und anzusprechen, die ansonsten an den Rand gedrängt werden.

Glossar: genderqueer

Nicht der zweigeschlechtlichen Norm entsprechend. Als zweigeschlechtliche Norm bezeichnen wir die gesellschaftliche Vorgabe, dass jeder Mensch entweder männlich oder weiblich ist, sowie Vorstellungen davon, welche Eigenschaften mit dem jeweiligen Geschlecht einhergehen. Dabei werden die beiden Geschlechter als Gegensätze angesehen.

Andere Medien über NoNo

Die an.schläge – das feministische Magazin aus Wien hat unter dem Titel „Neue Bilderbuchfamilien“ in ihrem Oktoberheft 2010 ein Verlagsportrait veröffentlicht (S. 36/37).

„Wir verkehren nicht die Realität“: Interview in der taz.die tageszeitung vom 26.12.2012 mit Ben Böttger vom NoNo Verlag und Tanja Abou, Autorin von Raumschiff Cosinus.

Bücher gegen Normen: Interview auf migrazine.at.

Bücher gegen Normen: Verlagsportrait in der an.schläge 06/2013.

Sprache

Wir richten uns mit unseren Büchern an ein breites und vielfältiges Publikum. Wir wollen vermeiden, dass unsere Bücher durch eine Szene- oder akademische Sprache nur bestimmten Kreisen verständlich sind. Deswegen bemühen wir uns, eine allgemeinverständliche Sprache zu verwenden. Gleichzeitig wollen wir sprachliche Diskriminierungen, die in der Alltagssprache anzutreffen sind, weitgehend vermeiden. In dem Bemühen, diese beiden Ansprüche zu verbinden, sind wir offen für Experimente und Ideen und werden verschiedene Wege ausprobieren. Wir begreifen dies als einen offenen Prozess und hoffen, dass sich viele daran beteiligen.

Auf dieser Homepage benutzen wir häufig die folgende Schreibweise mit Unterstrich: Autor_innen. >> Erklärung auf Wikipedia

Unsa Haus – Erklärung v. Rita Macedo und Ben Böttger

Erklärung von Rita Macedo und Ben Böttger zum nichtnormativen Kinderbuch Unsa Haus von 2008:

Titel der ersten Auflage von 2009

Die Idee für dieses Buch entstand in einer Reihe von Gesprächen, während derer uns auffiel, wie ausschließend und normativ Kinderliteratur üblicherweise ist: Die meisten Kinderbücher reproduzieren normative Vorstellungen und stereotype Vorannahmen, anstatt sie kritisch zu hinterfragen. Diese Vorannahmen sind in unserer Gesellschaft überall präsent und beeinflussen/beeinträchtigen uns alle ab der frühesten Kindheit. Um zu einer offeneren Gesellschaft beizutragen, sollten wir alle mit diesen Vorannahmen brechen, indem wir sie gemeinsam reflektieren und unseren Horizont erweitern.

Unserer Meinung nach sollten Themen nicht von Kindern ferngehalten werden, nur weil sie angeblich „zu jung“ sind, um mit Situationen, Familienmodellen, Genderkonzepten, sexuellen Orientierungen, etc. in Berührung zu kommen, die konventionellerweise als „unüblich“ oder „außerhalb der Norm liegend“ betrachtet werden.

Dass solche Situationen und Lebensmodelle in unserer Gesellschaft existieren, macht es nicht nur erforderlich, diese als gleichwertig zu begreifen und zu beschreiben, sondern auch, sich für weniger diskriminierende Einstellungen einzusetzen. Das bedeutet, ihnen mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu begegnen, wie den konventionalisierten, angenommen „üblichen“ Modellen.

Deshalb haben wir beschlossen, in unseren Geschichten nicht die „Besonderheit“ von marginalisierten Identitäten, Lebensmodellen, etc. herauszustellen, wie es häufig geschieht, wenn ein antidiskriminierender Ansatz verfolgt wird. Sie werden vielmehr als selbstverständlicher Bestandteil der gemeinsamen Realität betrachtet. Sie sind Teil des alltäglichen Lebens und werden folglich auch als solche dargestellt.

Vor diesem Hintergrund merken wir an, dass dieses Buch nicht einfach nur zum Lesen da ist. Vielmehr hoffen wir, dass es Fragen aufwirft, Erklärungen erforderlich macht und Diskussionen anregt – mit und unter Kindern.

Nichtnormatives Konzept – Erklärung v. Rita Macedo und Ben Böttger

Erklärung von Rita Macedo und Ben Böttger zum nichtnormativen Kinderbuchkonzept und seiner Umsetzung in dem Kinderbuch Unsa Haus von 2008:

Unser hauptsächlicher Antrieb, ein Konzept für nichtnormative antidiskriminierende Kinderliteratur zu entwickeln, war die Wahrnehmung, dass die meisten Kinderbücher ihre Geschichten in einem Setting ansiedeln, das sehr eingeschränkte, traditionelle, rigide Familienstrukturen und Geschlechterrollen reproduziert.

Wir stellen fest, dass in den meisten Kinderbüchern Eltern als heterosexuell und dominanten Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit entsprechend dargestellt werden. Sie sind darüber hinaus oft durchgängig liebevolle und fürsorgliche, harmonische, verständnisvolle und vernünftige Ehepaare, was unserer Ansicht nach sehr oft nicht der Realität von Kindern entspricht. Diese Art der Darstellung entwirft ein Ideal von einer „normalen“ Familie und grenzt diejenigen aus, deren Familien diesem Ideal nicht entsprechen. Dies hat zur Folge, dass Kinder sich als Außenseiter fühlen, allein weil ihre Familien von dieser vorgefertigten etablierten (und idealisierten) Norm abweichen. Sie fühlen sich als Ausnahme, obwohl in der Realität dieses normative Ideal der sprichwörtlichen „Bilderbuchfamilie“ die Ausnahme darstellt.

Diese Feststellung hat uns dazu gebracht, unser Konzept für nichtnormative Kinderliteratur zu entwickeln. Dabei wollen wir nicht nur Themen rund um Familienstrukturen aufgreifen, sondern auch andere Arten von Diskriminierung einbeziehen (z.B. auf der Grundlage von Geschlecht, Migrationshintergrund, sexueller Orientierung…). Dies ist unserer Meinung nach notwendig, da es nicht möglich ist, Mechanismen sozialer Ausgrenzung zu bekämpfen, indem nur ein einziges Diskriminierungsmerkmal in den Blick genommen wird, während andere ignoriert werden.

Unserem Konzept zufolge sollen Geschichten für Kinder sich nicht auf die mutmaßlichen Abweichungen von normativen Idealen konzentrieren. Indem – häufig in gut gemeinter Absicht – die vorgebliche „Andersartigkeit“ von nicht der Norm entsprechenden Eigenschaften oder Lebensentwürfen in den Mittelpunkt gestellt wird, wird die Norm selbst zunächst bestätigt. Selbst wenn in solchen Büchern anschließend vermittelt wird, dass diese „Anderen“ „trotzdem“ „ganz normale Menschen“ seien, ist im Grunde nochmals bestätigt worden, dass „normale“ Menschen aber ganz anders leben als die, um die es in der jeweiligen Geschichte geht. Um Kindern diese Aufteilung in „Normale“ und „Abweichende“ nicht erneut vorzuexerzieren und damit als Sichtweise zu verfestigen, sollten Geschichten für Kinder unserer Meinung nach ein breites Spektrum an Identitäten, Lebensentwürfen, Hintergründen und Orientierungen als Normalität präsentieren. Dies geschieht, indem das Setting, in dem Geschichten angesiedelt werden, eine große Bandbreite an Optionen als Hintergrundnormalität enthält. Die verschiedenen Optionen werden nicht hierarchisiert, sondern sind alle gleichermaßen „Normalität“.

Unser Buch soll sich nicht um anderer Leute Fehler in der Darstellung von Realität drehen. Im Gegensatz dazu wollen wir die entsprechenden Thematiken aus einem Minderheiten-/exotischen Status herauslösen.

Unser Anliegen ist es, ausgrenzenden Mechanismen in der gegenwärtigen Gesellschaft entgegen zu wirken, indem wir eine nahezu utopische Akzeptanz so genannter „abweichender“ Identitäten und Lebensentwürfe vorweg nehmen. Wir hoffen, Kinder ermutigen zu können, Umgebungen zu finden, in denen sie so sein können, wie sie sind, anstatt versuchen zu müssen, sich auf eine Weise anzupassen, die ihrem Selbst widerspricht.

Wir möchten eine Freiheit im Denken anregen, ohne moralische Einschränkungen, um die vorgegebenen Alternativen zu durchbrechen und verschiedene Werte und Optionen nicht zu hierarchisieren. Dass verschiedene Werte und Optionen im allgemeinen hierarchisch strukturiert sind, liegt an einer Bestimmung des „Normalen“ und „des Anderen“. Wir wollen diese Hierarchisierung, die zu sozialer Ausgrenzung führt, überwinden, indem wir „das Anderen“ zum Bestandteil von Normalität machen und damit diese Kategorien auflösen. Unser Ziel ist es also, „Normalität“ als Konzept gänzlich zu dekonstruieren und abschaffen, weil die Vorstellung von „Normalität“ an sich nicht ohne Ideen von „wir“ (das normative Kollektiv) und „die anderen“ existieren kann.

Erklärung von Rita Macedo und Ben Böttger zu Unsa Haus ->

Downloadseite der ersten Auflage von Unsa Haus in verscheidenen Sprachen ->

Das nichtnormative Konzept

Das nichtnormative Konzept wurde 2008 von Rita Macedo und Ben Böttger entwickelt und anschließend erstmalig in dem Kinderbuch Unsa Haus umgesetzt. Aus diesem Buchprojekt ging dann der NoNo Verlag hervor.

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die meisten deutschsprachigen Kinderbücher ihre Geschichten in einem Setting ansiedeln, das nur sehr eingeschränkte Familiensituationen und Geschlechterrollen zeigt. In der Regel wird die harmonische Beziehung eines heterosexuellen (Ehe)Paars mit ein oder zwei Kindern und traditionellen Rollenverteilungen dargestellt. Zudem gehören die dargestellten Figuren meist dem weißen deutschen Mittelstand an, haben keinen Migrationshintergrund und entsprechen körperlichen Normen. Wenn überhaupt, dann werden andere Lebensentwürfe, -situationen, und Identitäten meist in einer Weise dargestellt, die sich auf ihre vorgebliche „Andersartigkeit“ konzentriert.

Diese Art der Darstellungen grenzt all diejenigen aus, deren Lebenssituationen nicht dem vorherrschenden Ideal einer solchen „Bilderbuchfamilie“ entsprechen. Dahingegen ist die Idee des nichtnormativen Konzepts, in Geschichten für Kinder (und anderen Büchern) eine möglichst große Bandbreite an Optionen in Bezug auf Identitäten, Lebensentwürfe, Hintergründe und Orientierungen als gleichwertige Hintergrundnormalität abzubilden. Dabei ist es notwendig, verschiedene Arten der Diskriminierung miteinzubeziehen, da diese nicht unabhängig voneinander verstanden und bekämpft werden können. >> mehr zum Konzept